Mittwoch, 27. Februar 2008

Schwarzer Traum

Mein Fenster ist weitgeöffnet, sodass die Mücken mich ohne Probleme besuchen können.
Ich warte schon eine ganze Ewigkeit auf schönes Wetter, denn dann sind diese Biester besonders aktiv. Es ist ein schönes Gefühl, wenn sie mir mein Blut aussaugen. Sobald sich ein Weibchen auf meine Haut niedergelassen hat, schließe ich die Augen, lehne mich entspannt in den Sessel und lasse es zu. Es ist nicht von allzu langer Dauer, leider nicht.

Jetzt sitze ich schon einige Stunden ruhig in diesem mich erdrückenden Zimmer und immer noch landet keine Mücke auf meiner Haut. Es ist zum verrückt werden. Ich halte es einfach nicht mehr ohne meine kleinen Monster aus.

Meine Augen fallen langsam zu und ich schlafe ein. Da ertönt ein Summen an meinem Ohr. Ich schlafe; also - ich tue jetzt so, also ob ich schlafen würde. Sie merken nicht, dass ich bluffe. Das Geräusch wird langsam lauter, sie setzt zur Landung an.

Ich habe ein leichtes Kitzeln im Bauch, und ich kann es einfach nicht mehr aushalten, bis sie das Saugen beginnt. Da, der Rüssel durchsticht meine zarte Haut und dringt in mich ein. Mich überkommt ein schönes fröstelndes Gefühl. Doch schon wieder ist alles so schnell vorbei.

In diesem Moment öffne ich mein linkes Auge, um zu schauen, ob noch eine auf mir landen will, doch es ist keine mehr in meinem Zimmer.

Ich stehe auf und gehe zum Fenster. Schnell noch einen Blick auf die Uhr geworfen, es ist bereits recht spät, dann schaue ich raus. Niemand läuft um diese Uhrzeit dort draußen umher. Meine Augen täuschen sich nicht, es ist wirklich niemand draußen zu sehen. Mit einem leichten Ruck schließe ich mein Fenster und lege mich davor, auf den Boden, auf den eiskalten Linoleumboden.

Ich friere. Es ist so bitterkalt, und ich habe Angst. Angst, einzuschlafen und den nächsten Blutsauger zu verpassen, der ja eventuell noch in diesem, meinem Raum ist. Doch es ist zu spät, die Äuglein sind bereits geschlossen.

Ein sehr, sehr heller Sonnenstrahl küsst mich wach, es ist früh am Morgen und ich liege immer noch zusammengerollt auf diesem verdammt kalten Boden. Ich bin steif.

Mein Kopf befindet sich immer noch in meiner Traumwelt, doch ich ziehe mir endlich meine Wäsche an. Völlig durcheinander taumle ich zum Kühlschrank, um mir eine Schachtel Zigaretten zu holen. Gekühlt schmecken sie immer noch am besten, so sagt man bei uns, also - in unserer Welt. Langsam werde ich wach, so wach, dass ich es schaffe länger als fünf Minuten auf beiden Beinen stehen zu bleiben. Es ist nicht sehr einfach für einen Mann in meinem Alter.

Ich glaube, ich bin schon sehr alt, so um die neunundsechzig Jahre oder noch zehn drauf. Keine Ahnung. Auf meinem Bauch befindet sich eine kleine Schwellung, die mir eine meiner Freundinnen hinterlassen hat.

Hätte ich drei Wünsche frei, so wünschte ich mir die Nacht zum Tage und einen Raum voller Stechmücken. Den dritten würde ich mir, für den Fall, dass der erste nicht in Erfüllung gehen würde, aufsparen.

Über dem Kühlschrank hängt ein kleiner Spiegel, der mir täglich ein verbrauchtes Gesicht zeigt. Damals sah ich noch echt gut aus, doch das ist über sechzig Jahre her. Schwarze Augen, Zähne und pergamentartige Haut. Sie könnte jeden Moment reißen, wenn ich nicht besonders Acht darauf gäbe. Manchmal fühle ich, dass mein Körper von kleinen Rissen übersät ist, doch er ist es nicht. Ich bin so schrumpelig, dass ich mich nicht mehr auf die Straße traue. Seit nun mehr einem Vierteljahrhundert haben meine Füße die Straße nicht mehr betreten. Es wird Zeit, mich an die Luft zu setzten. Doch es naht bereits die Abenddämmerung.

Ständig geht mir eine Sache durch den Kopf, und zwar, dass ich vergesse das Fenster am Abend zu öffnen. Ein Albtraum, der mich schon seit mehreren Jahrzehnten plagt.

Ich öffne das Fenster, und die Mücken gewähren sich freien Eintritt. Mit einem Satz springe ich zurück und stolpre über einen leeren Eimer, den ich zum Füßewaschen benutzt habe.

Jetzt liege ich wieder auf dem kalten Boden, doch dieses Mal kann ich meinen alten Körper nicht mehr bewegen. Das einzige, was mich jetzt noch glücklich machen könnte, das wäre ein Schwarm weiblicher Stechmücken. So kommt es dann schließlich auch. Siebzehn Biester setzen sich auf meinen Bauch und quasi zeitgleich beginnen sie das Ritual des Absaugens.

Das ich das nochmal erleben darf. Ich bekomme feuchte Augen. Mein Bauch schwillt an, er droht zu platzen, doch er tut dies nicht. Ich schlafe ein, ohne meine Augen zu schließen.

Die Sonnenstrahlen am Morgen verscheuchen die Fliegen, die aus meinem Mund gekrochen kommen. Ich bin tot.

Bring endlich den Müll nach unten!“

Wäre ich doch besser ...

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Das geschenK

Das Geschenk


Einsam ging er über den schneebedeckten Teppich. Er hatte einen langen Weg vor sich, den er jetzt schon fast geschafft hatte. Der Wind war eisigkalt und kein Vogel vermochte zu singen; war ja auch keiner da. Er kam ins Schwitzen, keuchte vor Freude und weinte vor Wut. Sein kalter Körper schlenderte über den Teppich, als ob es der Weg ins Nirgendwo sei.

Schweißperlen schmückten sein Gesicht und er sang zu Boden. Da, sein Gesicht tief im Schnee und die Füße in der Luft. Er bewegte sich nicht mehr. Eingeschlafen. Auf dem Rücken einen Rucksack, das war alles was man sah.

Es schneite weiter. Doch schon bald stand er frisch und munter wieder da, wie der Held, der sich nicht unterkriegen lässt. Weiter. Immer weiter. Der Weg nahm kein Ende, langsam war er angenervt von der ewigen Lauferei, doch er hatte ja was vor. Nicht umsonst war er losgelaufen, kreuz und quer durch die Schneelandschaft, den schneebedeckten Teppich und so weiter.

Ein Licht zeigte ihm den richtigen Weg. Es flackerte ganz weit weg, in der Ferne, am Himmel, es tanzte vor ihm her -Tango?-.

Vielleicht war er verrückt, aber das interessierte ihn einfach nicht zu diesem Zeitpunkt, vielleicht später mal, wenn er groß würde.

Mit Schweißfüßen stapfte er weiter, über Stock und über Felsen, er gab nicht so leicht auf, immer weiter Richtung Licht.

Mann, was ist das für'n Scheißwetter heute. Ich hab gar keinen Bock mehr hier durch die Gegend zu laufen! Aber...was will man machen?“

Völlig frustriert und voller Hass kam er endlich an eine Kreuzung. Rechts ging es nach Maruki und links nach Ikuram.

Hm, was ist denn jetzt los? Ich bin völlig irritiert. Wo soll ich meinen Weg nun fortsetzten? Ach...?!“

Mit verschlossenen Augen nun, stapfte er einfach Richtung Maruki, ohne zu wissen, wo der Weg enden würde.

Die Bäume, die ihm entgegenkamen, sahen alle recht neu aus, als hätte man sie eben erst aus einer verschweißten Verpackung entnommen.

Komische Bäume hier, die sehen aus, wie frisch entpackt.“

Weiter.

Bis auf einmal dieses wunderschöne Lichtchen wieder am Himmel auftanzte. Mit strahlenden Backen erkannte er es und wusste dann auch sogleich, dass er sich für den richtigen Pfad entschieden hatte.

Ein Sturm kam auf, er rannte gerade mitten auf ihn hinzu, ohne eine Möglichkeit der Flucht.

Haushohe Wellen der Gefahr auf dem Weg Richtung Ziel.

Doch nach einigen Metern merkte er, dass der Spuk schon bald ein Ende hatte. Die Sonne kam vorbei und winkte ihm zu.

Tach, du da unten. Das war nur eine kurze Flut. Nur mal eben so. Aber schon bald wird es warm werden, dafür stehe ich hier mit meinem Namen!“

In ihrer Hand hielt sie ein Schild mit der Aufschrift: Sonne.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte er zur Sonne, winkte und verschwand in eine bessere Welt.

Setz dich, Fremder!“, rief ihm eine Stimme aus dem Nichts zu. Erschrocken schaute er sich nun zum dreihundertsiebzehnten Male um, doch er sah nichts.

Hab dich nicht so. Komm und setz dich endlich hin, Mann.“

Noch nie im Leben habe ich solch eine Schönheit zuvor gesehen. Wo bist du her? Wo bin ich hier und was sollen die Luftschlangen bedeuten?“

Fragen, die er vorher nie zu fragen gewagt, da er diese Möglichkeiten nie gehabt hatte. Ständig diese Wanderungen durch verschneite Gebiete...

Ich bin von hier. Wir feiern meinen Geburtstag heute, an diesem schönen Tag, mitten im Wintommer. Deshalb siehst du Luftschlangen und all dieses Zeug“, sagte die Stimme zu ihm.

Voller Begeisterung starrte er auf die verstümmelten Leichen.

Hast du die selber gemacht?“

Nein, die habe ich geschenkt bekommen. Gefallen sie dir?“

Nee, eher nicht so richtig, aber wenn ich mal probieren dürfte?“

Bitte, nur zu.“

Er nahm einen deftigen Bissen von der Kostbarkeit und setzte sich zum Kauen hin. Zum Lachen ging er in den Garten. Obschon er nicht recht wusste, wo der Garten sei, fand er ihn auf Anhieb. Mit erstaunendem Blick stand er inmitten dieser Grünanlage, wo kein bisschen Schnee zu liegen es wagte.

Wunderschön! Hier bleibe ich und gehe nie mehr hier weg.“

Eine Hand berührte seine linke Schulter. Er spürte sie und ging auf die Knie. Langsam glitt sie ihm durch das Haar und er merkte, dass er hier willkommen war.

Mit geöffnetem Mund sah er die Vollkommenheit.

Du kannst bleiben, so lange du willst!“

Mit einer Träne im Auge sahen sie sich gegenseitig an. Sollte er etwa schon am Ziel seiner Reise sein? Er war an diesem Ort wohlbehütet, besser konnte es ihm nirgends gehen, oder doch?

Danke! Ich bin froh hierbleiben zu dürfen“, sagte er mit vollem Mund. Er schluckte.

Ein Schmetterling stieg empor und landete doch wieder auf dem Boden.



Montag, 26. November 2007

Du Hast Ihm Geld Gegeben

Ich Habe Ihm Geld Gegeben


Der Boden glänzte und die Fenster waren weit aufgerissen.

Aplet schien mich noch nicht bemerkt zu haben, denn er legte sich direkt im Wohnzimmer, mit dem Kopf auf den Couchtisch und mit dem Torso auf die Couch.

Dann schmiss er den Fernsehapparat an und schlief sehr bald darauf ein.

Ich war gerade dabei den Schlafzimmerschrank zu wischen, es wurde nach so langer Zeit auch mal wieder nötig, als mir einfiel, dass ich den Herd in der Küche noch an hatte und er irgendwie nicht so richtig zu meinen Schuhen passte.


Die Hauptverkehrsstraße, ihr Name ist Pinbtuo, war heute besonders befahren worden. Man hatte kaum eine Chance über die Straße zu gelangen. Lumo, ein begeisterter Arschkriecher, der in der Stadt bekannt war, er war sehr prominent, was das Kriechen anbelangt, hatte heute sein Glück versucht, an diesem heutigen nass, kalten Tag über die von Autos und Verkehrsfahrzeugen befahrene Straße zu gelangen. Er hatte es sonst immer geschafft, doch heute rutschte er mit seinen neuen Schleimer-Sandaletten aus. Dann schaute er nur noch nach links...


Mein Name ist Poil und ich habe den Tisch soeben gedeckt, auch wenn es sonst nicht so meine Art ist. Nachdem ich das Essen von der Platte genommen hatte, konnte die Musik ihren Klängen von alleine folgen und ich unternahm den Versuch Aplet zu wecken, der ja immer noch vor der Flimmerkiste schlummerte. Während ich ihn wachrüttelte, schlug er mich ganz unverhofft mit seiner Faust auf meine Nase, die sich ihm scheinbar in den Weg stellte. Mit einem lauten Schrei , zurückweichend, fiel Poil nach hinten, mit dem Arsch genau auf Aplet's neues Korkenzieher-Set. „Danke!“, schrie sie ihn an, „das habe ich mir aber auch wirklich verdient. Ich dachte schon, dass das heute gar nicht mehr kommen würde.“ Poil bekam fast täglich einen Schlag auf ihr Maul, für all das, was sie ihm nicht geben wollte. Dazu gehörten auch Sachen wie zum Beispiel: Kleiderbügel, gelbe Socken, Lockenwickler, Puder, Wimperntusche, der Föhn, Kreide, Zinnmännchen, blaue Müllbeutel, Hosenträger, Glasschneider, Salz und Pfeffer, Pommesgabel, Gottesgaben und vieles mehr.


Lumo riss die Augen nicht weiter auf, sondern er schloss sie, auf das der Traum Ende. Er hörte nur noch ein lautes quietschen, dann war es vorbei. Der Fahrer des Wagens stieg aus, packte sich den Jungen und vermöbelte ihn erstmal mit seinem Baseballschläger, den er immer in seiner Innentasche mit sich trug. Nach dem er mit seiner Gesichtsveränderung fertig war, schmiss er Lumo, als wäre nichts gewesen, an den Straßenrand und fuhr davon.

Lumo kochte. Er war wütend darüber, dass der Verprügler ihn auf die falsche Seite befördert hatte. Er stellte sich vorsichtig hin, hob die Fäuste und schrie:“Du böser, du!“


Die Kerzen am Esstisch waren schon fast vollständig abgebrannt, so lange hatten Aplet und Poil zusammen gesessen und gegessen. Heute gab es Krautsalat und als Hauptgericht gekochten Rotkohl mit Eigelb. Sie hatten sich alle auf dieses Festessen gefreut, doch irgendetwas stimmte nicht. „Du hast ihm Geld gegeben, stimmt's!?“

Poil schaute ihn an. „Was m-m-m-meinst du dam-m-m-mit?“, sie wusste anscheinend nicht so recht, wovon er sprach. „Na, ich meine, dass du ihm heute dein Geld gegeben hast“, seine Stimme würde wundervoll zornig. Zuckersüß wie Honig. „Aber du hattest es mir doch so befohlen oder etwa nicht? Doch oder nicht?“

Es ist doch schon gut, du musst nicht gleich anfangen zu weinen. Du hast ja recht.“ Aplet wusste genau warum er sie angebrüllt hatte. Sie hatte es sich mal wieder verdient. „Wie viel wollte er denn heute haben?“, fragte er sie mit einem schmelzenden Lächeln. Sie fing an zu stottern und Poil wusste was jetzt passieren würde. Jetzt würde sie sich nicht mehr in einen Klempner verlieben, denn die sind ihr doch zu teuer. Aplet erhob sich und lies Poil dort sitzen, bis sie zu einer Salzsäule erstarrte. Aplet nahm sich das Leben, was ihm zustand.


Doch was geschah mit Lumo? Hier trennen sich die Interessen...


Montag, 19. November 2007

Bonjour

HeyHo!

Herzlich willkommen auf meiner neuen BlogSeite.


Ich würde sagen, haben Sie bitte Spaß und kommen Sie baldigst wieder hier vorbei!!!