Das Geschenk
Einsam ging er über den schneebedeckten Teppich. Er hatte einen langen Weg vor sich, den er jetzt schon fast geschafft hatte. Der Wind war eisigkalt und kein Vogel vermochte zu singen; war ja auch keiner da. Er kam ins Schwitzen, keuchte vor Freude und weinte vor Wut. Sein kalter Körper schlenderte über den Teppich, als ob es der Weg ins Nirgendwo sei.
Schweißperlen schmückten sein Gesicht und er sang zu Boden. Da, sein Gesicht tief im Schnee und die Füße in der Luft. Er bewegte sich nicht mehr. Eingeschlafen. Auf dem Rücken einen Rucksack, das war alles was man sah.
Es schneite weiter. Doch schon bald stand er frisch und munter wieder da, wie der Held, der sich nicht unterkriegen lässt. Weiter. Immer weiter. Der Weg nahm kein Ende, langsam war er angenervt von der ewigen Lauferei, doch er hatte ja was vor. Nicht umsonst war er losgelaufen, kreuz und quer durch die Schneelandschaft, den schneebedeckten Teppich und so weiter.
Ein Licht zeigte ihm den richtigen Weg. Es flackerte ganz weit weg, in der Ferne, am Himmel, es tanzte vor ihm her -Tango?-.
Vielleicht war er verrückt, aber das interessierte ihn einfach nicht zu diesem Zeitpunkt, vielleicht später mal, wenn er groß würde.
Mit Schweißfüßen stapfte er weiter, über Stock und über Felsen, er gab nicht so leicht auf, immer weiter Richtung Licht.
„Mann, was ist das für'n Scheißwetter heute. Ich hab gar keinen Bock mehr hier durch die Gegend zu laufen! Aber...was will man machen?“
Völlig frustriert und voller Hass kam er endlich an eine Kreuzung. Rechts ging es nach Maruki und links nach Ikuram.
„Hm, was ist denn jetzt los? Ich bin völlig irritiert. Wo soll ich meinen Weg nun fortsetzten? Ach...?!“
Mit verschlossenen Augen nun, stapfte er einfach Richtung Maruki, ohne zu wissen, wo der Weg enden würde.
Die Bäume, die ihm entgegenkamen, sahen alle recht neu aus, als hätte man sie eben erst aus einer verschweißten Verpackung entnommen.
„Komische Bäume hier, die sehen aus, wie frisch entpackt.“
Weiter.
Bis auf einmal dieses wunderschöne Lichtchen wieder am Himmel auftanzte. Mit strahlenden Backen erkannte er es und wusste dann auch sogleich, dass er sich für den richtigen Pfad entschieden hatte.
Ein Sturm kam auf, er rannte gerade mitten auf ihn hinzu, ohne eine Möglichkeit der Flucht.
Haushohe Wellen der Gefahr auf dem Weg Richtung Ziel.
Doch nach einigen Metern merkte er, dass der Spuk schon bald ein Ende hatte. Die Sonne kam vorbei und winkte ihm zu.
„Tach, du da unten. Das war nur eine kurze Flut. Nur mal eben so. Aber schon bald wird es warm werden, dafür stehe ich hier mit meinem Namen!“
In ihrer Hand hielt sie ein Schild mit der Aufschrift: Sonne.
Mit zusammengekniffenen Augen starrte er zur Sonne, winkte und verschwand in eine bessere Welt.
„Setz dich, Fremder!“, rief ihm eine Stimme aus dem Nichts zu. Erschrocken schaute er sich nun zum dreihundertsiebzehnten Male um, doch er sah nichts.
„Hab dich nicht so. Komm und setz dich endlich hin, Mann.“
„Noch nie im Leben habe ich solch eine Schönheit zuvor gesehen. Wo bist du her? Wo bin ich hier und was sollen die Luftschlangen bedeuten?“
Fragen, die er vorher nie zu fragen gewagt, da er diese Möglichkeiten nie gehabt hatte. Ständig diese Wanderungen durch verschneite Gebiete...
„Ich bin von hier. Wir feiern meinen Geburtstag heute, an diesem schönen Tag, mitten im Wintommer. Deshalb siehst du Luftschlangen und all dieses Zeug“, sagte die Stimme zu ihm.
Voller Begeisterung starrte er auf die verstümmelten Leichen.
„Hast du die selber gemacht?“
„Nein, die habe ich geschenkt bekommen. Gefallen sie dir?“
„Nee, eher nicht so richtig, aber wenn ich mal probieren dürfte?“
„Bitte, nur zu.“
Er nahm einen deftigen Bissen von der Kostbarkeit und setzte sich zum Kauen hin. Zum Lachen ging er in den Garten. Obschon er nicht recht wusste, wo der Garten sei, fand er ihn auf Anhieb. Mit erstaunendem Blick stand er inmitten dieser Grünanlage, wo kein bisschen Schnee zu liegen es wagte.
„Wunderschön! Hier bleibe ich und gehe nie mehr hier weg.“
Eine Hand berührte seine linke Schulter. Er spürte sie und ging auf die Knie. Langsam glitt sie ihm durch das Haar und er merkte, dass er hier willkommen war.
Mit geöffnetem Mund sah er die Vollkommenheit.
„Du kannst bleiben, so lange du willst!“
Mit einer Träne im Auge sahen sie sich gegenseitig an. Sollte er etwa schon am Ziel seiner Reise sein? Er war an diesem Ort wohlbehütet, besser konnte es ihm nirgends gehen, oder doch?
„Danke! Ich bin froh hierbleiben zu dürfen“, sagte er mit vollem Mund. Er schluckte.
Ein Schmetterling stieg empor und landete doch wieder auf dem Boden.








