Mein Fenster ist weitgeöffnet, sodass die Mücken mich ohne Probleme besuchen können.
Ich warte schon eine ganze Ewigkeit auf schönes Wetter, denn dann sind diese Biester besonders aktiv. Es ist ein schönes Gefühl, wenn sie mir mein Blut aussaugen. Sobald sich ein Weibchen auf meine Haut niedergelassen hat, schließe ich die Augen, lehne mich entspannt in den Sessel und lasse es zu. Es ist nicht von allzu langer Dauer, leider nicht.
Jetzt sitze ich schon einige Stunden ruhig in diesem mich erdrückenden Zimmer und immer noch landet keine Mücke auf meiner Haut. Es ist zum verrückt werden. Ich halte es einfach nicht mehr ohne meine kleinen Monster aus.
Meine Augen fallen langsam zu und ich schlafe ein. Da ertönt ein Summen an meinem Ohr. Ich schlafe; also - ich tue jetzt so, also ob ich schlafen würde. Sie merken nicht, dass ich bluffe. Das Geräusch wird langsam lauter, sie setzt zur Landung an.
Ich habe ein leichtes Kitzeln im Bauch, und ich kann es einfach nicht mehr aushalten, bis sie das Saugen beginnt. Da, der Rüssel durchsticht meine zarte Haut und dringt in mich ein. Mich überkommt ein schönes fröstelndes Gefühl. Doch schon wieder ist alles so schnell vorbei.
In diesem Moment öffne ich mein linkes Auge, um zu schauen, ob noch eine auf mir landen will, doch es ist keine mehr in meinem Zimmer.
Ich stehe auf und gehe zum Fenster. Schnell noch einen Blick auf die Uhr geworfen, es ist bereits recht spät, dann schaue ich raus. Niemand läuft um diese Uhrzeit dort draußen umher. Meine Augen täuschen sich nicht, es ist wirklich niemand draußen zu sehen. Mit einem leichten Ruck schließe ich mein Fenster und lege mich davor, auf den Boden, auf den eiskalten Linoleumboden.
Ich friere. Es ist so bitterkalt, und ich habe Angst. Angst, einzuschlafen und den nächsten Blutsauger zu verpassen, der ja eventuell noch in diesem, meinem Raum ist. Doch es ist zu spät, die Äuglein sind bereits geschlossen.
Ein sehr, sehr heller Sonnenstrahl küsst mich wach, es ist früh am Morgen und ich liege immer noch zusammengerollt auf diesem verdammt kalten Boden. Ich bin steif.
Mein Kopf befindet sich immer noch in meiner Traumwelt, doch ich ziehe mir endlich meine Wäsche an. Völlig durcheinander taumle ich zum Kühlschrank, um mir eine Schachtel Zigaretten zu holen. Gekühlt schmecken sie immer noch am besten, so sagt man bei uns, also - in unserer Welt. Langsam werde ich wach, so wach, dass ich es schaffe länger als fünf Minuten auf beiden Beinen stehen zu bleiben. Es ist nicht sehr einfach für einen Mann in meinem Alter.
Ich glaube, ich bin schon sehr alt, so um die neunundsechzig Jahre oder noch zehn drauf. Keine Ahnung. Auf meinem Bauch befindet sich eine kleine Schwellung, die mir eine meiner Freundinnen hinterlassen hat.
Hätte ich drei Wünsche frei, so wünschte ich mir die Nacht zum Tage und einen Raum voller Stechmücken. Den dritten würde ich mir, für den Fall, dass der erste nicht in Erfüllung gehen würde, aufsparen.
Über dem Kühlschrank hängt ein kleiner Spiegel, der mir täglich ein verbrauchtes Gesicht zeigt. Damals sah ich noch echt gut aus, doch das ist über sechzig Jahre her. Schwarze Augen, Zähne und pergamentartige Haut. Sie könnte jeden Moment reißen, wenn ich nicht besonders Acht darauf gäbe. Manchmal fühle ich, dass mein Körper von kleinen Rissen übersät ist, doch er ist es nicht. Ich bin so schrumpelig, dass ich mich nicht mehr auf die Straße traue. Seit nun mehr einem Vierteljahrhundert haben meine Füße die Straße nicht mehr betreten. Es wird Zeit, mich an die Luft zu setzten. Doch es naht bereits die Abenddämmerung.
Ständig geht mir eine Sache durch den Kopf, und zwar, dass ich vergesse das Fenster am Abend zu öffnen. Ein Albtraum, der mich schon seit mehreren Jahrzehnten plagt.
Ich öffne das Fenster, und die Mücken gewähren sich freien Eintritt. Mit einem Satz springe ich zurück und stolpre über einen leeren Eimer, den ich zum Füßewaschen benutzt habe.
Jetzt liege ich wieder auf dem kalten Boden, doch dieses Mal kann ich meinen alten Körper nicht mehr bewegen. Das einzige, was mich jetzt noch glücklich machen könnte, das wäre ein Schwarm weiblicher Stechmücken. So kommt es dann schließlich auch. Siebzehn Biester setzen sich auf meinen Bauch und quasi zeitgleich beginnen sie das Ritual des Absaugens.
Das ich das nochmal erleben darf. Ich bekomme feuchte Augen. Mein Bauch schwillt an, er droht zu platzen, doch er tut dies nicht. Ich schlafe ein, ohne meine Augen zu schließen.
Die Sonnenstrahlen am Morgen verscheuchen die Fliegen, die aus meinem Mund gekrochen kommen. Ich bin tot.
„Bring endlich den Müll nach unten!“
Wäre ich doch besser ...









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